Blog über Architektur- und Designpsychologie

Das neue Frankfurt

Frankfurt hat sich extrem gewandelt. An diesen Orten pulsiert das Leben in der kleinen Metropole am Main.

Für viele Deutsche ist Frankfurt am Main eine graue Stadt, in der Banker und Büromenschen ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Doch in den letzten Jahren hat sich Frankfurt sehr verändert. Ein Foto-Ausflug zu unseren Lieblingsorten in der Stadt.

Wie Frankfurt zur Finanzmetropole wurde

Ein Handelszentrum und Knotenpunkt ist Frankfurt schon seit über tausend Jahren. Bevor die ersten Brücken gebaut wurden, überquerten viele Reisende den Main an einer seichten Stelle in der Nähe des heutigen Frankfurter Stadtzentrums. Die vielen Reisenden und die gute Erreichbarkeit machten die Stadt zu einem Zentrum der Region. Seit dem 14. Jahrhundert wurden daher Messen in Frankfurt abgehalten. Anfangs verkauften hier hauptsächlich Landwirte aus dem Umland ihre Waren, später kamen auch Stoffhändler dazu. Heute ist die Stadt vor allem für die Internationale Automobilausstellung (IAA) und die Frankfurter Buchmesse bekannt und zählt zu den weltweit größten Messestandorten.

Durch den Handel kamen auch Menschen aus entlegenen Regionen in die Stadt. Entsprechend wurde hier lange mit einer Vielzahl unterschiedlicher Währungen gehandelt. Nicht selten wurden Händler, die es nicht besser wussten, mit unangemessenen Wechselkursen über den Tisch gezogen. Im 16. Jahrhundert führten die Kaufläute deshalb öffentliche Wechselkurse für die verschiedenen Währungen ein. Die damit gegründete Frankfurter Börse zählt heute zu den bedeutendsten Handelsplätzen der Welt. Aktuell befindet sie sich in Fusionsgesprächen mit der London Stock Exchange.

Entscheidender Baustein der Frankfurter Geschichte ist zudem ihre Stellung als Freie und Reichsstadt über viele Jahrhunderte hinweg. Ab 1815 waren im Deutschen Bund nur noch vier freie Städte vorhanden. Den Status musste Frankfurt jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts abgeben, als es von Preußen besetzt wurde. Nach Frankfurt war Lübeck schließlich die letzte deutsche Stadt, die ihre Souveränität abtreten musste. Die Städte Hamburg und Bremen sind bis heute eigenständige Stadtstaaten geblieben.

Heute ist Frankfurt nicht nur ein europäisches Finanzzentrum, in dem unter anderem die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank ihren Sitz haben. In Frankfurt gingen Handel und Infrastruktur schon immer Hand in Hand: Der Flughafen Frankfurt am Main ist der größte Flughafen und das Frankfurter Kreuz der am meisten befahrene Straßenknotenpunkt in Deutschland. Als Dienstleistungszentrum hat sich Frankfurt zudem schon längst zu einem Zentrum der New Economy entwickelt: Hier befindet sich auch der größte Internetknoten der Welt. Im sogenannten DE-CIX werden Datenströme über das Internet so ähnlich verteilt, wie es früher in Telefonschaltzentralen der Fall war. Neben Berlin ist Frankfurt daher häufig die einzige deutsche Stadt, der in Studien eine globale Bedeutung zugeschrieben wird.

Viele Deutsche sind dennoch skeptisch. Die Mini-Metropole am Main gilt als kriminalitätsbelastet, grau und langweilig. In Wahrheit wurde die Stadt in den letzten zehn Jahren völlig umgekrempelt und aufgewertet. Wichtige städteplanerische Projekte wie der West- und Osthafen haben das Angebot beträchtlich erweitert. Inzwischen entdecken immer mehr Kreative die Stadt für sich. Frankfurts Attraktivität lässt sich zudem an ihrem Wachstum ablesen. Unter den größten deutschen Städten wachsen Leipzig und Frankfurt am Main am stärksten. Frankfurt hat alleine in den letzten fünf Jahren um 50.000 Menschen zugenommen. Wo man das neue Frankfurt am besten erleben kann? Wir haben unsere Lieblingsorte gesammelt.

Osthafen

Vor zwei Jahren wurde der Neubau der Europäischen Zentralbank im Osthafen fertiggestellt. Das Hochhaus ist aus verdrehten und versetzen Glasflächen zusammengesetzt, wodurch auf der Oberfläche interessante Lichtreflektionen entstehen. Integriert ist das Gebäude in die ehemalige Großmarkthalle von 1928, wo bis vor etwas mehr als einem Jahrzehnt Obst und Gemüse gehandelt wurden.

Ziemlich cool: Der sportliche Park am Osthafen.

Ziemlich cool: Der sportliche Park am Osthafen.

Um das Hochhaus herum wurde direkt am Wasser ein Park angelegt, in dem Schienen und Kräne noch an den ehemaligen Hafenbetrieb erinnern. Geteilt wird der Park durch die Deutschherrnbrücke, deren drei geschwungene Bögen man auf vielen Frankfurter Skyline-Bildern sehen kann. Östlich davon kann man sich auf Handballfeldern, in einem Skatepark und an Freiluft-Fitnessgeräten austoben.

Auf dem Flohmarkt am Osthafen gibt es jede Menge zu durchstöbern.

Auf dem Flohmarkt am Osthafen gibt es jede Menge zu durchstöbern.

Jeden zweiten Samstag gibt es im Osthafen auch einen Flohmarkt, auf dem man von Büchern über Klamotten bis hin zu alten Kameras alles mögliche kaufen kann.

Schiffscontainer am Osthafen.

Schiffscontainer am Osthafen.

Auf beiden Uferseiten kann man sehr gut spazieren, joggen und Fahrrad oder Inline-Skates fahren und hat stadteinwärts eine tolle Sicht auf die Skyline. Auf dem Main kann man außerdem Rudern und Paddeln oder mit dem eigenen Boot auf und ab schippern. Dank der neu gestalteten Uferpromenaden spielt der Main inzwischen eine große Rolle bei der Freizeitgestaltung in Frankfurt.

Am Mainufer kommt Großstadtflair auf.

Am Mainufer kommt Großstadtflair auf.

Bahnhofsviertel

Der Ruf des Bahnhofsviertels ist leider zurecht kein guter. Kriminalität, Drogenhandel, Armut und Prostitution spielen sich hier sozusagen am Fuße der Bürotürme ab, in denen hochnotierte Geschäfte gemacht werden. Insofern wäre es höhnisch, von einem Szene-Viertel zu sprechen.

Das Bahnhofsviertel ist immer noch ein hartes Pflaster.

Das Bahnhofsviertel ist immer noch ein hartes Pflaster.

Dennoch hat sich die Gegend sehr verändert. In kaum einem anderen Viertel in Frankfurt gibt es derart prachtvolle Gründerzeit-Architektur, die seit einigen Jahren schrittweise restauriert wird. In gewisser Weise erinnert das Bahnhofsviertel an das Berliner Neukölln, wobei die Gegensätze in Frankfurt noch schärfer sein dürften. Hochpreisige Eigentumswohnungen und hippe Cafés liegen hier fast Tür an Tür mit Drogeneinrichtungen, Bordellen und Spielhallen.

Eines der vielen wiederhergestellten Gründerzeithäuser an der Kaiserstraße.

Eines der vielen wiederhergestellten Gründerzeithäuser an der Kaiserstraße.

Lange Zeit waren die Mieten in den grauen Straßen rund um den Bahnhof vergleichsweise niedrig, was die Gegend für Kreative interessant gemacht hat. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe schöner Cafés und Restaurants, die sich vor allem auf der Kaiserstraße und den südlich hiervon gelegenen Straßen befinden. Beim Genuss eines Flat Whites oder Pulled Pork Sandwiches sollte man sich über die Ambiguität des Viertels aber bewusst sein.

Schweizer Straße

Auf der anderen Seite des Mains spielt sich das meiste auf der Schweizer Straße ab. Im hinteren Teil ist sie wie eine Allee angelegt. Dort gibt es einige alte Gasthäuser wie das Gemalte Haus, in denen man stilecht Apfelwein trinken und Kochkäse essen kann.

Im Gemalten Haus an der Schweizer Straße gibt es Hessische Traditionskost.

Im Gemalten Haus an der Schweizer Straße gibt es Hessische Traditionskost.

Zur Stadt hin ist die Straße weniger grün, bietet dafür aber einen tollen Blick auf die Hochhäuser im Bankenviertel. Hier gibt es zahlreiche schöne Cafés, Bäckereien und Shops.

Ein Geschäft für Neonbuchstaben in der Nähe der Schweizer Straße.

Ein Geschäft für Leuchtbuchstaben in der Nähe der Schweizer Straße.

Goetheturm

Frankfurt liegt eigentlich mitten im Wald und in der Nähe des Taunus. In die Natur hat man es also nicht weit. Für einen kleinen Ausflug kann man zum Beispiel zum Goetheturm im Waldspielpark fahren. Von April bis Oktober ist der 43 Meter hohe Holzturm offen zugänglich. Von oben hat man einen tollen Blick über die Stadt. Das Hauptfoto für diesen Artikel wurde übrigens vom Goetheturm aus aufgenommen.

Der Aufstieg auf den hölzernen Goetheturm lohnt sich.

Der Aufstieg auf den hölzernen Goetheturm lohnt sich.

Kultur

In Frankfurt gibt es jede Menge Museen. Das Städel, das zu den bekanntesten Museen Deutschlands gehört, wurde kürzlich unterirdisch erweitert. Die Ausstellungsflächen erhalten durch runde Fenster in der Decke ihr Licht, die oberirdisch in einen kleinen Park integriert sind. Ein Besuch lohnt sich schon alleine, um die Architektur zu sehen.

Unter der Erde gibt es im Städel neuerdings noch mehr zu sehen.

Unter der Erde gibt es im Städel neuerdings noch mehr zu sehen.

Zu entdecken gibt es aber auch viele kleinere Museen. Das Museum für Moderne Kunst hat 2014 einen dritten Ausstellungsraum im Taunusturm eröffnet. Die Lage des Museums in einem Hochhaus lässt Erinnerungen an das Museum of Modern Art in New York aufkommen. Interessant ist außerdem der Portikus, eine Ausstellungshalle die sich in einem schmalen, roten Haus auf der Maininsel befindet.

Holy Cross Cafe B

Im Holy Cross in der Nähe des Frankfurter Doms gibt es hervorragenden Kaffee.

Nicht weit von hier kann man sich im The Holy Cross mit einem köstlichen Kaffee wieder auf Touren bringen: Der Kaffee schmeckt hier wirklich frisch und gut geröstet. Entsprechend beliebt ist das Café in der Frankfurter Kreativ-Szene. Kleine Theater- und Tanzaufführungen kann man sich abseits der großen Spielhäuser zum Beispiel im Bockenheimer Depot anschauen.

Elektronischer Musikgenuss mit Ausblick: Das Robert Johnson im benachbarten Offenbach.

Elektronischer Musikgenuss mit Ausblick: Das Robert Johnson im benachbarten Offenbach. (Foto: Marc Krause)

Das Nachtleben in Frankfurt hat schon einige Sternstunden erlebt. Landesweit bekannt war der Cocoon Club, der eng mit dem DJ Sven Väth zusammengearbeitet hat. Liebhaber der guten elektronischen Musik kommen heute besonders gut im Robert Johnson auf ihre Kosten. Der minimalistische Club befindet sich in einem kleinen Haus am südlichen Mainufer. Wer lange genug durchtanzt, kann vom Club aus beobachten, wie der Main langsam ins Licht der aufgehenden Sonne getaucht wird.

In der Taunusanlage versteht man, wieso die Stadt auch Mainhattan genannt wird.

In der Taunusanlage versteht man, wieso die Stadt auch Mainhattan genannt wird.

In Frankfurt gibt es also jede Menge zu entdecken. Höchste Zeit, selbst die wahrscheinlich amerikanischste deutsche Stadt zu erkunden!

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